Es ist aber auch gemein. Sie sollen intern oder extern vor einer Gruppe präsentieren. Und so gut Sie auch fachlich in diesem Thema sind, es gibt immer ein oder zwei Zuhörer, die nach dem Haar in der Suppe suchen. Und wenn es im Fachlichen nichts zu finden gibt, dann geht es an Sie als Person. Ein besonders intensiv erforschter Effekt ist der „Halo-Effekt“, der im direkten Zusammenhang mit dem Thema „erster Eindruck“ steht. Wir schließen aus einem äußeren Aspekt auf die Eigenschaften der betreffenden Person. Schlecht geputzte Schuhe? Der Mann legt wenig Wert auf Sorgfalt. Gebeugte Haltung? SO richtig steht er aber nicht hinter dem Thema.

Gönnen Sie sich doch einmal als Zuhörer etwas Spaß in einer Präsentation. Schreiben Sie einfach die nachfolgenden 13 Punkte auf ein Blatt, beobachten Sie den Vortragenden und kreuzen Sie an, welche dieser 13 Punkte Sie erleben. Am Ende haben Sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit alle Aspekte angekreuzt. Hier unsere Top 13 der wiederkehrenden Fehler:

1. Schlechte Kleidung

Achten Sie einmal auf Ihre Kleidung. Ist sie dem Anlass entsprechend? Wie ist die Passform? Haben Sie schon mal jemanden danach gefragt, wie die Kleidung zu Ihnen passt? Es gibt tatsächlich bei Männern mehr Problemzonen als bei Frauen. Klassiker sind das Hemd mit Button-Down-Kragen kombiniert mit Krawatte, die Ärmellänge des Jacketts bis zur Mitte der Hand oder der dreiteilige Anzug bei einem Mann mit einer Körperlänge von 160 cm. Bei Frauen sind es z.B. Absatzhöhe, die Tiefe des Ausschnitts oder der viel zu lange Blazer. Tatsächlich betreuen wir unsere Coachées sogar beim EInkauf Ihrer Kleidung vor öffentlichen Auftritten. Kleidung ist das einzige Instrument, was Sie schon vor einer Präsentation bewusst für sich nutzen können. Lassen Sie einmal ein „vorher-nachher-Bild“ im Rahmen einer Beratung machen. Sie werden über Ihre eigenen Verwandlung verwundert sein.

2. Falsches Atmen

Wie beginnen Sie Ihren Vortrag? Reden Sie schon auf dem Weg zum Vortragspult? Oder beginnen Sie schon zu reden, während Sie das Notebook an den Beamer anschließen? Viele Vortragende beginnen ihren Vortrag bereits mit gestresster Atmung. Halten Sie vor Beginn kurz inne, nehmen Sie Blickkontakt mit dem Publikum auf, atmen Sie tief in den Bauch ein und beginnen Sie dann. Wir erleben häufig, dass Vortragende erst auf dem zweiten oder dritten Wort des nächsten Satzes atmen. Achten Sie mehr auf das Satzende, betonen Sie am Satzende deutlich nach unten, holen Sie Luft und beginnen Sie dann erst den Folgesatz. Nutzen Sie eine tiefe Bauchatmung. Sie können einfach üben, indem Sie tief ausatmen und dann, wenn Sie das Gefühl haben, keine Luft mehr zu haben, sprechen. Da reicht dann für ein oder zwei Sätze. Sie atmen dann automatisch am Satzende. Und dann beginnt das gleiche Prozedere wieder von vorne. Ausatmen, reden, einatmen

3. Zu häufiger Blick auf die Wand

Ihr Publikum möchte begeistert werden. Schauen Sie es daher auch an. Nur so können Sie die Stimmung im Publikum auch aufnehmen. Glauben Sie einfach der Technik. Was Sie auf dem Monitor Ihres PCs sehen, ist identisch mit dem, was auf die Wand projiziert wird. In Präsentationstrainings stellen wir eine Moderationswand zwischen Sie und der Moderationsfläche. Es geht auch ohne auf die Wand zu schauen. Geht es um Details, z.B. in einer Grafik, können Sie diese auch kommentieren: “Unten rechts sehen Sie“. Nur im äußersten Notfall verwenden wir dafür überhaupt einen Laserpointer. Erstens hüpft der Pointe zu oft wild über die Projektionsfläche und zweitens schauen Sie dann viel zu oft auf diese Fläche und vernachlässigen Ihr Publikum.

4. Zu schnelles Sprechtempo

Unter Stress reden Sie schneller. Wenn Sie so schnell reden, drohen Sie in eine flache und schnelle Brustatmung überzugehen. Da bleibt dann häufig zu wenig Luft für den Rest des Satzes. Die Folge ist das „ähm“. Wenn Sie schnell reden, haben Sie natürlich auch wenig Zeit für das Modulieren der Worte. Sie beginnen Endsilben zu verschleppen. Viele Zuhörer setzen schnelles Reden mit Unsicherheit gleich. Wir sprechen daher auch vom Angstreden. Sie finden viele Übungen zum richtigen Sprechtempo im Internet. Oft klingen diese Übungen zu langsam. Tatsächlich ist das Tempo aber beim Üben genau richtig. Denn im Vortrag werden Sie dann wieder etwas schneller und dann passt es genau.

5. Wenige Sprechpausen

Sprechpausen sind ein ungemein wirkungsvolles Instrument. Sie können mit ihnen einzelnen Passagen Ihrer Präsentation eine besondere Wirkung verleihen. Zugleich geben sie Ihnen Zeit, um tief in den Bauch zu atmen und sich so zu beruhigen. Sie können Ihre Zuhörer beobachten und reagieren. Zuhörer schreiben Ihnen, wenn Sie stark mit Sprechpausen arbeiten, eine höhere Kompetenz zu. Machen Sie  Sprechpausen, gehen Sie das Risiko ein, dass jemand Fragen stellt. Somit trauen Sie sich zu, jede noch so unerwartete Frage beantworten zu können; weil Sie die Kompetenz dafür besitzen. Wie schön, einfach mehr Kompetenz, indem Sie nichts sagen.

6. Falsche oder zu wenig Betonung

Sie brauchen immer wieder einen Aufmerksamkeitserreger, damit Ihre Zuhörer Ihnen auch folgen. Angeblich schweifen Zuhörer nach 6-8 Sekunden ab, wenn kein Aufmerksamkeitserreger kommt. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach. Eine gute Betonung reicht dazu aus. Sie kennen wahrscheinlich eher das monotone Vortragen, was einschläfernd wirkt. Überlegen Sie vor Ihrer Präsentation, wo Sie wie betonen wollen. Wichtig ist auch, dass Sie Botschaften und Aussagen so betonen, dass die Stimme am Satzende auch wirklich runter geht. Das erzeugt Verbindlichkeit und Sicherheit. Sie tätigen Aussagen, die nicht diskutierbar sind. Achten Sie daher auf die Höhe am Satzende. Betonen Sie am Satzende nach oben, s formulieren Sie eine Aussage, die Sie selbst in Frage stellen. Zuhörer interpretieren diese Art der Betonung auch gerne als Anzeichen von Unsicherheit. Testen Sie selbst einmal den folgenden Satz mit Betonung hoch bzw. runter am Satzende: „Karl der Große wurde im Jahr 800 gekrönt“.

7. Zu großer Abstand zum Publikum

Sie wollen Ihr Publikum erreichen. Was suchen Sie dann an der Projektionsfläche oder hinten an den Moderationswänden?  Dort befinden Sie sich in der öffentlichen Kommunikationsdistanz. Zu weit weg. So als würden Sie versuchen, jemandem etwas quer durch eine Bahnhofshalle zuzurufen. Gehen Sie auf Ihr Publikum zu. Suchen Sie den Kontakt. Ihr Notebook steht bei der Präsentation auf einem Tisch? Achten Sie einmal darauf, ob Sie zwischen Tisch und Moderationswand agieren. Trauen Sie sich, in den Bereich  zwischen Tisch und Zuhörer zu gehen. Im Unterbewusstsein Ihrer Zuhörer verlassen Sie so Ihren eigenen Schutzraum und machen sich angreifbar. Das machen nur Personen, die sicher sind, mit Angriffen umzugehen. Sie vermitteln so Stärke und Kompetenz.

8. Fehlende Botschaft in den Aussagen

Schreiben Sie doch vor einer Präsentation auf, welche Botschaft Sie kommunizieren möchten. Fragen Sie am Ende Ihr Publikum, welche Botschaft es aus der Präsentation mitnimmt. In Präsentationstrainings erleben wir dabei schon vor vielen Präsentationen eine Überraschung. Die Vortragenden wissen selbst gar nicht, welche Botschaft sie transportieren wollen. Wenn Sie es selbst nicht wissen, wie wollen Sie dann eine Botschaft senden?

9. Mangelnde Kenntnisse der Präsentation

Hand aufs Herz, wie oft halten Sie Ihre eigenen Präsentationen Probe bevor es ernst wird? In einem Präsentationstraining äußerte ein Mitarbeiter auf dem Weg zum Notebook, dass er die neue Unternehmenspräsentation zwar noch nicht kenne, aber er versuche es einmal. Die zuständige Bereichsleiterin schickte ihn nach Hause und terminierte ein Mitarbeitergespräch. Nur konsequent. Wie wollen Sie Ihr Unternehmen hoch professionell vertreten, ohne sich vorher kundig gemacht zu haben? Sie kennen die Folieninhalte nicht gut genug und kennen die Folgefolie nicht.  Damit fehlt Ihnen das Gespür für die richtigen Folienübergänge. Sie wissen so auch nicht, ob Ihr persönlicher Vortragsstil mit den Folien harmoniert  oder Sie besser eine Folie auslassen und das gleiche Thema vielleicht am Flipchart erarbeiten.

10. Stereotype Bewegungen

Sie machen den „Wackeldackel“, weil Sie viel auf einem Bein stehen und das zweite Bein dahinter gekreuzt aufsetzen? Sie strecken abwechselnd die rechte oder linke Hüfte nach außen? Sie gehen immer wieder mit dem Oberkörper nach vorne, um die ENTER-Taste zu drücken? Wann immer Sie können, nutzen Sie eine Videokamera, um mehr über Ihre Stereotypen zu erfahren und arbeiten Sie mit einem Profi daran. Wenn Sie nicht wissen, ob Sie sich zu viel oder zu wenig bewegen, lassen Sie eine Videokamera mitlaufen. Schauen Sie sich danach die Aufnahme im schnellen Vorlauf an. Haben Sie das Gefühl, Sie wirken wie die „Venus von Milo“? Dann fehlt Bewegung. Tanzen Sie gefühlt Cancan oder bewegen Sie sich wie eines dieser „Stehaufmännchen“? Dann sollten Sie daran arbeiten, mit weniger Bewegung zu arbeiten.

11. Unzureichende Interaktion bei kleiner Zuhörerschaft

Kleine Gruppen wollen eingebunden sein. Gehen Sie, je nach Sitzanordnung, mit einer Zuhörerschaft von bis zu 30 Personen in Interaktion. Fragen Sie nach ihren Erfahrungen zu den Themen, die Sie gerade präsentieren. Erfragen Sie ihre Erwartungen zu bestimmten Punkten, um zu wissen, was Sie jetzt an dieser Stelle in Ihrer Präsentation besonders hervorheben müssen. Oder lassen Sie sich die Meinung des Publikums zu bestimmten Details widerspiegeln.

12. Mangelnder Umgang mit Störern

Sie tragen vor, Sie sind Chef im Ring, Sie machen die Regeln und Sie haben es in der Hand, souverän zu bleiben. Zu oft erleben wir, dass Vortragende ein Fehlverhalten der Zuhörer geradezu mit stoischer Ruhe erdulden. „Störungen haben Vorrang“ lautet ein wichtiger Grundsatz in der Kommunikation. Lassen Sie sich in einem Präsentationstraining zeigen, wie Sie Quatscher, Handy-Spieler und andere Störer handhaben.

13. Fehlende Berücksichtigung unterschiedlicher Zuhörertypen

Die Diskussion Handout ja oder nein erübrigt sich, wenn Sie die unterschiedlichen Zuhörertypen beachten. Einige Ihrer Zuhörer brauchen ein solches Handout und zwar zu Beginn Ihrer Präsentation. Andere wollen nur die wesentlichen Bullets hören, wieder andere lieben es abwechslungsreich. Dann gibt es noch die Zuhörer, die sich auf die Belege und mögliche Studien stürzen. Sie alle unter einen Hut bringen, will geübt sein.

Sie sehen es gibt eine Menge, was Sie tun können, um Ihre eigene Wirkung zu steigern. Darum nutzen Sie die Chance und zeichnen Sie mindestens einmal im Jahr eine Ihrer Präsentationen auf. Benutzen Sie im ersten Schritt die obigen Items für eine Kurzauswertung oder lassen Sie sich in einem persönlichen Coaching zeigen, welche Potentiale Sie hinsichtlich Ihrer Wirkung noch nutzen könnten.

Dr. Frank Przybylski

Dr. Frank Przybylski

CEO | Ghost Negotiator | Speaker bei DVAK Deutsche Vertriebs Akademie GmbH
Dr. Frank Przybylski

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